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Zusammenfassung:Die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt weite Teile Ostdeutschlands mit Sprit.picture alliance/dpa |
Die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt weite Teile Ostdeutschlands mit Sprit.
picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Seit dem Jahresbeginn gilt das europäische Embargo gegen Pipeline-Öl aus Russland. Weil die Alternativen fehlen, ist die PCK-Raffinerie in Schwedt nur zu 50 Prozent ausgelastet. PCK versorgt die ganze Hauptstadtregion mit Sprit und Kerosin.
PCK wird derzeit nur über eine Pipeline aus dem Hafen in Rostock beliefert. Vom Wirtschaftsministerium angekündigte größere Lieferungen aus Kasachstan und Polen gab es bislang noch nicht.
Im Benzinlager Seefeld steigt laut Preisinformationsdienst Argus Media bereits der Benzinpreis. Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) fordert eine Auslastung der Raffinerie auf dem bisherigen Niveau, um steigende Preise zu verhindern.
Am 01. Januar wurden die Hähne der Pipelines, die Europa über Jahrzehnte mit russischem Öl versorgt haben, zugedreht. Ein wichtiger Meilenstein in dem laufenden Prozess, sich von Russland abzukoppeln – der allerdings nicht ganz ohne Risiko daher kommt. Denn: Größere alternative Öllieferungen aus Polen und Kasachstan, wie von der Bundesregierung angekündigt, kommen bislang noch nicht an. Am Montagnachmittag findet sich jetzt sogar der Energieausschuss des Bundestags zu einer nicht öffentlichen Sondersitzung zusammen, um das Problem zu diskutieren.
Doch was sind die Folgen der ausbleibenden Lieferungen? Die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt, die bislang ausschließlich mit russischem Pipeline-Öl versorgt wurde, läuft wegen der gesunkenen Liefermengen nach Informationen von Business Insider nur mit einer Auslastung von rund 50 Prozent. Bei dem mittlerweile staatlich verwalteten Öl-Konzern Rosneft, der PCK betreibt, arbeiten viele Mitarbeiter nach Informationen von Business Insider derzeit sogar in Kurzarbeit.
Benzin-Preise steigen bereits
Die reduzierte Produktion zeigt jetzt erste Auswirkungen. Der Preisinformationsdienst Argus Media berichtet, dass es in der Region bereits eine Produktionsknappheit beim Benzin gibt. „Die Anteilseigner der PCK halten seit dem 2. Januar Benzin zurück, schreibt ein Analyst. Dies zeige sich bereits in den Aufschlägen auf den Bundesdurchschnitt des Benzinpreises des Benzinlagers Seefeld, das nordöstlich von Berlin liegt. Dieser sei in den ersten beiden Januartagen im Vergleich zur Vorwoche bereits um 1,76 Euro pro 100 Liter auf 4,40 Euro pro 100 Liter gestiegen.
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Bei anhaltender gedrosselter Produktion der PCK-Raffinerie dürften dann auch die Preise für Benzin bei dem Autofahrer in Ostdeutschland ankommen, erklärt Verkehrsexperte Thomas Puls vom Wirtschaftsinstitut IW. „Im Falle einer weiteren geringen Auslastung ist vor allem mit einem Preisanstieg zu rechnen, da Produkte aus anderen Regionen mit hohem Aufwand herangeschafft werden müssen. Da solche Transporte im Normalbetrieb nicht anfallen, sind die entsprechenden Transportmittel knapp, sagt er zu Business Insider. West-Ost-Produktpipelines gäbe es nicht und auch geeignete Kesselwagen und Tanklaster seien ein limitierender Faktor.
Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) geht hingegen nicht davon aus, dass Autofahrer in der Metropolregion schon in den nächsten Wochen mit Einschränkungen rechnen müssen. „Zur mittel- und langfristigen Absicherung der Produktverfügbarkeiten muss aber der Betrieb auf mindestens 70 Prozent erhöht werden“, erklärt er gegenüber Business Insider. Dazu seien mindestens Lieferungen aus Polen, die in Danzig angeliefertes Öl zur Grundlage hätten, notwendig. „Darüber hinaus bleibt die grundsätzliche Forderung der Landesregierung nach einem Betrieb der Raffinerie auf dem Ausgangsniveau unverändert.”
Öl aus Kasachstan als Lösung? Wirtschaftsministerium zeigt sich zögerlich
Neben Öl aus Danzig werden also weitere Lieferanten gesucht. Der Fokus lag in den vergangenen Wochen dabei auf Kasachstan. Russland hatte sogar zugesichert, das Öl durch seine Pipelines nach Europa fließen zu lassen. Doch angekommen ist bislang nichts. Woran es hapert, ist schwer zu sagen. Man sei weiter in Verhandlungen, teilte das Wirtschaftsministerium jüngst mit.
Der Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion Christian Görke hat dafür kein Verständnis. Sein Wahlkreis liegt in der betroffenen Region Brandenburgs. Er sprach am 19. und 20. Dezember mit dem stellvertretenden Energieminister Kasachstans, und dem Vorstandsvorsitzenden des kasachischen staatlichen Ölunternehmen KasMunayGaz in Astana, Kasachstan. Das Gespräch habe „den Eindruck verstärkt, dass die Bundesregierung bei der Versorgung des PCK mit kasachischem Öl zurückhaltend agiert. Trotz der Offenheit der Kasachen, fünf bis sechs Millionen Tonnen kasachisches Öl pro Jahr für Schwedt zu liefern, ist noch nichts in trockenen Tüchern, sagt er Business Insider.
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Ergänzend zu den Lieferungen über den Hafen Rostock, würde mit dem kasachischen Öl nahezu eine Vollauslastung der PCK Raffinerie erreicht werden und nicht, wie Stand heute, nur eine Auslastung von 50 Prozent. Es sei sarkastisch, sagt Görke, diese Auslastung als Erfolg zu verkaufen. „Die Bundesregierung hat fahrlässig Zeit verschenkt und das zulasten des größten Raffineriestandortes in Ostdeutschland. Schließlich gab es seit Mai 2022 ausreichend Zeit und Möglichkeiten, die Versorgung sicherzustellen.
Schnappen sich Leuna und Schwedt gegenseitig das polnische Öl weg?
Dass Steinbach und Görke auch auf Lieferungen nebst Polen pochen, hat einen Grund. Nur auf Lieferungen aus Danzig zu setzen, birgt erneut Gefahren. In Leuna, der zweiten großen Raffinerie in Ostdeutschland, kommt inzwischen ebenfalls wenig Öl aus Danzig an. Die vom französischen Unternehmen Total betriebene Raffinerie hatte sich bereits früher vom russischen Öl losgemacht, kämpfte zuletzt aber auch mit niedrigen Rohöl-Lieferungen. Zudem besteht die Gefahr, dass Leuna und Schwedt um dasselbe polnische Öl buhlen.
Görke erhofft sich Antworten am Montagnachmittag, wenn die Sondersitzung des Ausschusses für Energie und Klimaschutz im Bundestag zur Versorgung der PCK Schwedt stattfindet. Möglicherweise erklärt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dann auch, welche Problem es beim Kasachstan-Deal gibt. Insider mutmaßen, dass das Öl, das sehr schwefelhaltig sei, überhaupt nicht in Schwedt verarbeitet werden kann. Das wäre ein herber Rückschlag für Habeck. Denn wenn die Bundesregierung steigende Spritpreise verhindern will, muss sie zwingend schnell neue Lieferanten finden.
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